Schwarzmagie Teil 4 – Die Umkehrung der Wahrheit

Was bedeutet Umkehrung der Wahrheit in der Schwarzmagie?
Nach der hier dargestellten geisteswissenschaftlichen Betrachtung zeigt sich Schwarzmagie nicht in erster Linie in äußeren Ritualen oder geheimen Praktiken. Sie beginnt dort, wo sich die menschliche Wahrnehmung von der Wahrheit entfernt und Wirklichkeiten in ihr Gegenteil verkehrt werden. Die Erkenntnis richtet sich nicht mehr unbefangen auf ihren Gegenstand, sondern wird zunehmend von Begehren, subjektiven Vorstellungen und Gruppenbindungen bestimmt.1) Die einleitende Kurzfassung am Anfang sowie die Fragen und Antworten am Ende des Artikels wurden für die Onlineausgabe redaktionell hinzugefügt. Der Haupttext stammt von Heinz Grill.

Dies ist der vierte Teil der Artikelserie. Im ersten Teil wurden die Bedeutung und die grundlegende Wirkungsweise der schwarzen Magie dargestellt, im zweiten Teil die Kriterien zur Erkenntnis der schwarzen Magie und im dritten Teil die Mechanismen der schwarzen Magie.

Das Beispiel „Stairway to Heaven“

Vor etwa 35 Jahren sprach ein anthroposophischer Referent auf einer Tagung über schwarzmagische Praktiken. Er erwähnte dabei die Rockband Led Zeppelin, die das Lied „Stairway to Heaven“ komponierte.2) „Stairway to Heaven“ erschien 1971 auf dem Album Led Zeppelin IV. Anfang der 1980er Jahre wurde insbesondere in den USA öffentlich behauptet, beim rückwärtigen Abspielen bestimmter Passagen seien satanische Botschaften zu hören. Von Led Zeppelin wurde eine absichtliche rückwärts codierte Botschaft bestritten. Er sprach darüber, dass man diesen Song umkehren könne, und somit eine Botschaft herauskomme, die den Weg zur Hölle programmiere. Untergründig sei bereits das Teuflische in dieser Komposition angelegt und die Band hätte mit schwarzer Magie durchaus zu tun. Mit dem Hören von „Stairway to Heaven“ wirke deshalb die andere Botschaft, eben die schwarzmagische Verdunkelung der Seele. Der anthroposophische Referent erfasste den Grundgedanken, dass alle schwarzmagischen Praktiken tatsächlich immer das Wesen der Umkehrung einsetzen müssen, damit eine Störung im Astralleib entstehen kann und Menschen in Verwirrung gebracht werden. Das Unbewusste sollte stimuliert werden, um zuletzt eine andere Realität als diejenige, die den physischen und metaphysischen Umständen entspricht, zutage zu fördern. Das Beispiel mit der Rockgruppe Led Zeppelin jedoch ist ungeeignet, da sich die scheinbar enthaltene Botschaft nicht deutlich ausdrückt und sich ohnehin niemand die Mühe macht, das Lied umgekehrt abzuspielen. Die Zuweisung zum Teufel, die gerne bezüglich dieser Popgruppe gemacht wird, ist trivial gewählt und entspricht nicht der Wirklichkeit der Umstände. Dennoch hatte der anthroposophische Referent auf eine bemerkenswerte und wahre Technik hingewiesen, nämlich diejenige der Umkehrung. Sie muss jedoch im Sinne der Wahrheit und dem Gewissen des Menschen eintreten und nicht in einer äußeren, nicht leicht abrufbaren und auch nicht zutage tretenden Liedkomposition.

Die Täter-Opfer-Umkehrung

Eine ganz besonders wirksame Form auf dem Wege zur Schwarzmagie, wie man Energien gewinnt und sich leise in eine besondere subjektive Realität hineinleben kann, ist die Umkehrung des Opfer-Täter-Status. Jemand lernt im Opferstatus, besser durch das Leben zu kommen, Energien durch Aufmerksamkeit zu gewinnen und sich daraus Vorteile zu verschaffen. Vor Gerichten und bei der Polizei, bei Selbsterfahrungsgruppen und bei verwöhnten Personen wird dies gerne bis zur tränenüberflutenden Ekstase getrieben. Einige Politiker gibt es ebenfalls, die nur deshalb in der Welt ein Bestehen haben, weil sie sich mit dem Opfer schmücken und die Unterstützung von anderen herbeizwingen. Diejenige Person, die arglistig hinterhältige Angriffe auf dieser feigen Basis setzt, merkt, wie sie mit ihrer Bewusstseinshaltung des Opferstatuts andere polarisieren kann. Sie wird zum geheimen Täter, zum feigen Band des Bindens astraler Kräfte. Anstatt sich mit den eigenen Taten, Verlockungen und Verantwortungsgefühlen gewissenhaft auseinanderzusetzen, projiziert man unentwegt die Schuld auf andere, verändert die Realität und gewinnt heimlich Energie. Diese schwachen Menschen unterwandern mit diesen Handlungen das Selbst nicht nur im eigenen mutigen Aufrichten zur Realität, sondern auch im Sinne von versteckter Lüge, die sie bis hin zum heimlichen Schüren von Aggressionen, krodha, gegenüber ihren Mitmenschen einsetzen.

Die Umkehrung spiritueller Ideale

Die klassische Umkehrung, die den Weg zur subjektiven Macht in der Dunkelheit der Seele bahnt, entsteht durch falsche Interpretation und Anwendung spiritueller Schriften und von Worten, die einmal durch eine ideale Vision geprägt wurden. Gruppengefühle und Zugehörigkeitsansprüche an Teilnahme und Führung innerhalb von Gemeinschaften sind hierzu jedoch notwendig. Die modernen Kultbewegungen sind heute tatsächlich viele esoterische und religiöse Gruppen, die gerade durch ihre Gruppenvernetzung einer Art Verblendung folgen, einer Form des moha. Die Menschen sind nicht schwarzmagisch tätig. Sie leben wohl für das Gute, aber sie können noch keine Kraft für eine wirkliche Kultur und für den Frieden freisetzen.

Man nehme beispielsweise das einmal ausgesprochene Ideal der Brüderlichkeit aus der Französischen Revolution.3) „Liberté, Égalité, Fraternité“ – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – wurde zum klassischen Wahlspruch der Französischen Republik. Die drei Begriffe erhielten ihre heute bekannte feste Verbindung im Zusammenhang mit der Französischen Revolution und ihrer späteren Rezeption. Wird dieses Wort wirklich verstanden und im seelischen Sinne mit ganzer Nähe, Empathie, gesunder Wahrnehmung, wirklicher Verbundenheit und inhaltlicher Tragweite erlebt? Indem sich beispielsweise Gruppen zusammenschließen und alle Güter miteinander teilen, könnte man dem Glauben unterliegen, dass dieses Ideal der Brüderlichkeit bereits eingetreten wäre. Es ist aber in den meisten Fällen nur eine andere, modernere Art des Kommunismus, in der der Individualismus verloren geht. Kritisch wird es erst dann, wenn Personen die Brüderlichkeit propagieren und mit versteckten Übergriffen den Menschen ideologisch an sich binden. Das Ideal eines Wortes nimmt durch diese Menschen, die mit ihrer Lüge unterwegs sind, materialistischen Charakter oder sehr emotional verhaftete Züge an. Wer teilt und sich der Gruppe beugt, sei brüderlich. Wer aber individuell eine andere Position einnimmt und seine Ideale unabhängig von einer Gruppe aufrichten möchte, sei materialistisch oder verwerflich. Wirkliche gute und gelebte Inhalte, die mit dem Selbst des Menschen verbunden sind, würden zur Brüderlichkeit und zum Teilen führen. Sie würden ein ökonomisches Gleichgewicht geben. Indem sich aber Menschen der Worte bedienen, die sie selbst nicht leben und nicht verstanden haben, beginnen sie, totalitäre Züge auszustrahlen und andere Menschen energetisch zu beherrschen.

In diesem Sinne kehrt sich die religiöse Formel in ein groteskes Gegenteil um: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen.“4) MT 18,20. Das Zitat wird im Artikel als Beispiel dafür verwendet, wie ein geistiger Inhalt durch bloße Zugehörigkeit beansprucht werden kann. Der Christus scheint überall zu sein, in allen Gemeinschaften, die nur seinen Namen gebrauchen. Diese Bewegungen sind in einem eigenartigen Kultstatus angekommen. Es sind deshalb verborgene Kultbewegungen, da die Menschen sich auf Ideale berufen und vollkommen der Sorgfaltspflicht einer wirklichen Kenntnis der Schriften ausweichen. Aus diesem Grunde gibt es so viele Erleuchtete, Erwachte, bessere Menschen als die sogenannten Kriegstreiber und Materialisten der gegenwärtigen Zeit. Diese Menschen, die die Schriften so leichtfertig nehmen und sie für sich und ihr Gruppengefühl beanspruchen, fühlen sich überdurchschnittlich gut und bemerken nicht, wie sie insgeheim ein Werkzeug für Ideologien sind. Wie sieht es wirklich in der Seele aus und wie ist die Beziehung zu den geistigen Quellen? Diese Fragen müssen einen geistigen Lehrer und jeden, der auf einem spirituellen Weg strebt, beschäftigen.

Die Verwechslung, die heute häufig eintritt – und es muss sich jeder tatsächlich ernsthaft prüfen –, ist diejenige, dass man glaubt, man kenne den Christus und man sei durch das Zugehörigkeitsgefühl in einer Gruppe im Geiste bereits angekommen. Die Leichtfertigkeit und die schnelle, emotional getätigte Interpretation von Schriften bilden dadurch die Tragödie der ersten Umkehrung. Selbst sei man bei Christus, während die anderen es noch nicht sind. Es ist aber mit diesen einfachen und schnellfertigen Zugehörigkeitsansprüchen eine schwarzmagische Tätigkeit noch nicht wirklich erreicht. Im wachsenden Maße aber gewinnen die Wahrheitsansprüche eine tatsächlich tragische Wendung, wenn man die anderen ausgrenzt, sie als Sekte beleidigt und sich sogar noch rühmt, man sei der große Retter für Glaubenswege, Werte und eine ideale Zukunft.

Die Brüderlichkeit fällt in vielen Gemeinschaften, die andere ausgrenzen, in einen schweren Missbrauch. Die Begriffe, die einst ein Ideal verkörperten und mit Visionen der aufstrebenden Menschheit verbunden waren, fallen in die Abgründe der versuchenden, übergriffigen und emotional gestimmten Begierde, kāma. Aus diesem kāma, entsteht, wie die Bhagavad Gītā es ausdrückt, das krodha, die mehr oder weniger deutliche Aggression. Das kāma, das verborgene Begehren des Menschen, neigt sich schließlich wieder zu moha, in eine vollständige Verblendung. In diesem moha können dann die niedrigen magischen Wirkungen entstehen.5) Vgl. Bhagavad Gītā 2,62–63. Dort wird eine Folge beschrieben, die von der gedanklichen Beschäftigung mit den Sinnesobjekten über Anhaftung (saṅga) und Begehren (kāma) zu Zorn (krodha), Verblendung (saṃmoha), Verlust der Erinnerung und schließlich zum Verlust der Unterscheidungskraft führt.

Die umgekehrte Bewegung des Astralleibes

Die Bewegungen des Astralleibes mit seinen tiefgründigen Willensantrieben und den möglichen zu entwickelnden Wahrheitsgefühlen gehen in der Schwarzmagie nicht den Weg zu den geistigen Aussagen, zu den Texten des Evangeliums, zu den Fundamenten des Yoga, zu den Kerngedanken Rudolf Steiners oder zu den großen Philosophen. Die Bewegung kehrt sich mit gut gewählter Geschwindigkeit in einer Kurve um, verfehlt ihr Ziel und endet in einem subjektiven Wahrnehmen. Die Objekte sind nicht mehr bekannt, das Denken beginnt, vom Willen oder vom kāma, vom Begehren bestimmt zu sein. Das Eigentümliche ist, dass man immer auf der richtigen Seite steht und die Gruppe sich gegenseitig bestätigt, man sei in der richtigen Wahl der Meinung und es wären nur die anderen, die die Störungen bewirken. Die Sonne verliert das Licht und der Mond nimmt begierig den Kosmos in sich auf. Die Ausdehnung des Lichtes und der tatsächlichen Wahrnehmungen wäre das Grundprinzip des Astralleibes, und dieses gründet sich in seinem edelsten Ansatz in der unermüdlichen Wahrheitssuche.

Das Auge blickt aus dem Auto hinaus und sieht einen Vogel; in Wirklichkeit aber ist es nur mit einem Punkt auf der Scheibe irritiert, und in der Folge verwechselt das Bewusstsein den Schmutzfleck am Glas mit einem Vogel. Die spannkräftige Bewegung, die der Astralleib zur Erkenntnisforschung und Wahrheitsentwicklung benötigt, ist heute bereits anlagegemäß geschwächt, und deshalb können viele Menschen suggestiven und manipulativen Einflüssen unterliegen. Jene Personen, die nun Macht aus der Schwäche anderer ziehen, sind dann die Initiatoren einer Art Kultbewegung der modernen Zeit und der folgenden Zukunft. Obwohl viele esoterische Gruppen, yogische Veranstaltungen und anthroposophische Initiativen diese Ideale leben wollen, transportieren sie nicht selten ein verhängnisvolles Potenzial an Magie, da sie den verborgenen Gurus, die in den Gruppen unbenannt tätig sind, verfallen und die wahren Ideale der Schriften und der möglichen zu entwickelnden Perspektiven nicht mehr kennen.

Kopfstand Shirsasana als bewusst ausgeführte Umkehrhaltung
Kopfstand (Shirsasana) – Variation mit abgesenktem Bein

Die unmittelbar sichtbare Umkehrbewegung, wie beispielsweise die Kopfstandposition, ist eine bewusste Tätigkeit. Man könnte glauben, dass der Mensch, wenn er sich auf den Kopf stellt, ebenfalls eine Vorbereitung zur Umkehrung der Realität getroffen habe. Genaugenommen muss derjenige, der eine Asana solide ausführt, durch die bewusste Tätigkeit mehr den Körper führen und eine Form erzeugen, die angemessen und ästhetisch ist. Die Praxis von Asana ist deshalb sehr günstig zur Selbstbetrachtung und Selbsterfahrung, denn sie offenbart die persönliche innere Haltung in der äußeren bildhaften und sichtbaren Wirklichkeit.

Die Kultbewegungen sind heute durch ihre Oberflächlichkeit sehr weit verbreitet, obwohl diese Bewegungen oft keinen offensichtlichen Kultus praktizieren. Je mehr sie die eigentliche intensive Wahrheitsforschung und mutige Wahrheitsentwicklung verfehlen, desto mehr werden sie in ihrer Gruppe in ihrem wertvollsten Gut, der Selbstkraft, herabgestimmt und einseitig mit emotional verhafteten Energien begleitet. Auf der einen Seite lebt deshalb eine Welt des falschen Glaubensanspruches und des emotional-esoterischen Verhaftetseins, und auf der anderen Seite gibt es Kriege und wirtschaftliche Verausgabungen. Diese Polarität ist in ihrem Ausmaß größer als zu früheren Zeiten und bedingt sich gegenseitig. Der Materialismus lässt die Menschen in Gruppen flüchten, und die Gruppen provozieren auf geistigem Weg die Anziehungskraft für den ausweglosen Materialismus.

Die Schwarzmagie intensiviert sich bei spirituellen Grenzerlebnissen

Rudolf Steiner erwähnte in dem Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“, dass der Mensch, nachdem er eine gewisse Übungsweise absolviert hat, mit dem sogenannten Hüter der Schwelle konfrontiert wird.6) Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, Kapitel „Der Hüter der Schwelle“ sowie „Leben und Tod – der große Hüter der Schwelle“. Nun verlangt diese Schwelle, die jedem Geistschüler, der einige Jahre strebsam bei der Sache ist, gut bekannt ist, eine sorgfältigste Gewissensprüfung und daraus entstehende Handlungsinitiativen für die Zukunft. Den Gewohnheiten kann nun dieser Mensch nicht mehr folgen und bisherigen Ideologien, denen er vielleicht unterlegen ist, darf er ebenfalls kein Gehör geben. Je nachdem, ob diese Gewissensprüfung und konsequente Verwirklichungsarbeit positiv, das heißt im Sinne der Sorgfalt und nach prüfender Wahrheitssicht erfolgt, kann sich nun die weiße Magie und die Kraft der Seele in vollem Umfang ausdrücken. Fehlt aber diese gewissenhafte Auseinandersetzung, wird der Schwarzmagie Tür und Tor geöffnet. Es erfolgen dann immer Rückzüge, Verwerfungen anderer, und es wird der Lebensweg nicht nach den notwendigen Verpflichtungen zur Spiritualität und sozialen Gestaltung geleistet. Die Schwarzmagie kann ab diesem Grenzpunkt, an dem manche Personen in ihrer Entwicklung stehen, ihren gröbsten und unausweichlichen Verlauf nehmen.

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Zeichnung eines Augenpaares als Darstellung menschlicher Wahrnehmung
Mondenkräfte in den Augen, wenig Beziehung, mit destruktiven Neigungen im Beziehungsleben.
Gezeichnetes Gesicht mit hervorgehobenem Blick
Mondenhaft, sehr subjektive Neigungen im Beziehungsleben. Allgemein spiegeln die Augen die Art der Beziehungsaufnahme wieder.
Zeichnung von John Muir vor einer Berglandschaft
John Muir (1838–1914), schottisch-amerikanischer Naturforscher – Augen für die Naturwahrnehmung. Ab dem Moment, ab dem gesunde Wahrnehmungsprozesse nach außen da sind, löst sich die Wirkung von astralen Unregelmäßigkeiten erstmals auf.
Zeichnung: Anne-Michèle Hambye
Mond über einer dunklen Bergsilhouette am nächtlichen Himmel
Der gesunde Mond am nächtlichen Himmel, der das Licht reflektiert.
Symbolische Darstellung eines verdunkelten Mondes vor einer Bergsilhouette
Eine Umkehrung ist es, wenn man sich den Mond vorstellt, dass er selbst das Licht der Sterne und des ganzen Kosmos für sich in eine abgeschlossene und dunkle Wirklichkeit hineinnimmt.
Zeichnung der vollständigen Taube Purna Kapotasana
Narayani in der vollständigen Taube, purna kapotasana.

Was geschieht bei Ausübung von Schwarzmagie nach dem Tode?

„Nicht ich bin es, sondern mein Nicht-Ich ist es“, bildet die Grundformel, die eine Energieumkehrung ermöglicht, in der der Schwache gesund und stark wird und der Rechtschaffene zur Erschöpfung getrieben wird. Weiterhin könnte die Formel des Paulus im Sinne des Christuserlebens umgekehrt werden: „Nicht ich bin es, sondern der Christus ist es in mir.“7) Vgl. Gal 2,20: „… nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir …“ Die Formulierung im Text gibt den paulinischen Gedanken sinngemäß wieder. Nun aber findet mit dem Christus genau die Verwechslung statt, denn am Hüter der Schwelle angelangt, steigen die karmischen Kräfte in das Bewusstsein des ambitionierten Menschen auf. Die niedrigen, unerlösten Anteile der Seele, die Verstorbenen mit ihren Leiden, sind es, die anstelle des kommenden Christus treten und tragischerweise den Menschen eine versuchende und verschleiernde Kraft, moha, einflößen. Sie geben ihm eine Bestätigung, die aber nun nicht mehr aus einer wahren geistigen Vision und bewusst nachvollziehbaren logischen Wirklichkeit kommt. Sie geben dem Menschen eine große Macht und man wird ihn in den meisten Fällen sogar fürchten. Die Menschen erscheinen so physisch, wie nicht einmal die größten Verfechter einer materialistischen Theorie es sein können. Durch Schwarzmagie kommen die niedrigsten Anteile aus der unerlösten Welt, das heißt aus der nachtodlichen Welt der Verstorbenen, in die irdische Sphäre hinein und bedienen sich von nun an der Willensenergie des Menschen, der an die Schwelle seines Selbst gekommen ist.

Jene, die Schwarzmagie üben, halbbewusst durch emotionales und gutes energetisches Gestimmtsein oder sogar im machtvollen und stimulierten Eifer ihrer eigenen Lebenslüge, geben ihr Selbstwerden auf. Sie wären im Bewusstsein einer Verpflichtung angekommen und verfallen nun kāma, dem Trieb des Unbewussten. Je weniger ein gezieltes Schädigen anderer beabsichtigt ist, desto leichter kann derjenige, der auf dem Weg des Rückzuges mit allen Vorteilen und Energieakkumulieren ist, noch umkehren. Schwierig ist es aber, wenn die Willensenergie auf dem spirituellen Weg vorsätzlich, mit eitler Arroganz eingesetzt wird, denn sie wirkt wie ein unaufhaltsames Getriebe, bar der Vernunft und unerreichbar für Kritik. Im nachtodlichen Leben kann sich jedoch der Schwarzmagier nicht mehr selbst helfen, denn er ist durch sein Nicht-Selbst in auswegloser Isolation und in Insuffizienzen der Beziehungsaufnahme wie gelähmt. Die Seele bleibt im Nachtodlichen, aber sie wurde ganz auf das Physische herabgestimmt. Das Schwarze ist nicht nur eine Bezeichnung für eine versuchende Macht, es ist eine Wirklichkeit, die die Seele schließlich im Nachtodlichen umkleidet und einengt. Grundsätzlich aber will eine Seele in Beziehung treten, und dies sowohl im diesseitigen als auch im nachtodlichen Dasein. Durch die Leibesglieder und die Sinne kann aber die Seele in dieser Welt Beziehung aufnehmen. Im Nachhinein kann sie nur noch durch das Licht, das sie selbst hervorgebracht hat, ihre Beziehungssituation bestimmen. Der Schwarzmagier würde dann gemäß seines seelischen Bedürfnisses in Beziehung treten wollen, aber es fehlt ihm jegliches Licht. Nur wenn von Seiten guter Spiritualität reine und freie Erkenntnisse erfolgen, erreichen sie die schweren astralen Abgründe, in denen schwarzmagisch Verstorbene mit ihrer Seele weiter existieren. Das Fühlen im Nachtodlichen ist, als ob sich der Mensch nach vorne und nach der Seite mit einer Mauer begrenzt hätte und sich nun mit seinen Gliedmaßen und auch mit seinen Sinnen nicht mehr bewegen kann. Jene Vorteile, die sich die Schwarzmagie im Irdischen feige für das Leben nimmt, trägt schreckliche Konsequenzen in das nachtodliche Dasein hinüber.

Leider ist die Schilderung für das gewöhnliche Denken und für den Glauben an das Gute sehr unerträglich. Es dürfte aber wohl für die geistige Schule bekannt sein, dass man auch vor diesen Dingen, die in der Weltschöpfung stattfinden, nicht gänzlich die Augen verschließen kann.


Der Artikel beleuchtet folgende Fragen:

Was versteht Heinz Grill unter der Umkehrung der Wahrheit?

Mit Umkehrung ist eine Bewegung gemeint, bei der die Wahrnehmung nicht mehr unbefangen zum Gegenstand und zu einer Erkenntnis führt. Eigene Wünsche, Gruppenbindungen oder vorgefasste Vorstellungen bestimmen zunehmend, wie die Wirklichkeit interpretiert wird. Die objektive Wahrheit wird dadurch von einer subjektiv erzeugten Realität überlagert.

Welche Rolle spielt der Astralleib bei der Schwarzmagie?

Der Astralleib wird im Artikel als Träger tiefgründiger Willensantriebe und entwicklungsfähiger Wahrheitsgefühle beschrieben. Seine gesunde Bewegung richtet sich auf Wahrnehmung, Erkenntnis und Wahrheitssuche. Bei einer Umkehrung verfehlt diese Bewegung ihr Ziel und endet zunehmend in subjektiver Wahrnehmung.

Was bedeuten kāma, krodha und moha?

Kāma bezeichnet Begehren, krodha Zorn oder Aggression und moha Verblendung. Die Bhagavad Gītā beschreibt einen Zusammenhang dieser Seelenbewegungen. Im Artikel dienen sie dazu, die Entwicklung von Begehren über Aggression bis zu einer zunehmenden Verblendung zu charakterisieren.

Was bedeutet der „Hüter der Schwelle“ bei Rudolf Steiner?

Rudolf Steiner beschreibt den Hüter der Schwelle im Zusammenhang mit der geistigen Entwicklung und dem Eintritt in übersinnliche Erkenntnisbereiche. Heinz Grill greift diesen Begriff auf und verbindet den entsprechenden Entwicklungspunkt mit einer notwendigen Gewissensprüfung: Nach seiner Darstellung entscheidet die weitere innere Ausrichtung darüber, ob die geistige Entwicklung zu größerer Wahrhaftigkeit oder zu einer problematischen Umkehrung führt.

Zeichnung eines Menschen zwischen hohen Mauern
Die nachtodliche Welt zeigt das Eingeschlossensein des Menschen, der sich der Schwarzmagie zu Lebzeiten beugte.

Anmerkungen

Anmerkungen
1 Die einleitende Kurzfassung am Anfang sowie die Fragen und Antworten am Ende des Artikels wurden für die Onlineausgabe redaktionell hinzugefügt. Der Haupttext stammt von Heinz Grill.
2 „Stairway to Heaven“ erschien 1971 auf dem Album Led Zeppelin IV. Anfang der 1980er Jahre wurde insbesondere in den USA öffentlich behauptet, beim rückwärtigen Abspielen bestimmter Passagen seien satanische Botschaften zu hören. Von Led Zeppelin wurde eine absichtliche rückwärts codierte Botschaft bestritten.
3 „Liberté, Égalité, Fraternité“ – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – wurde zum klassischen Wahlspruch der Französischen Republik. Die drei Begriffe erhielten ihre heute bekannte feste Verbindung im Zusammenhang mit der Französischen Revolution und ihrer späteren Rezeption.
4 MT 18,20. Das Zitat wird im Artikel als Beispiel dafür verwendet, wie ein geistiger Inhalt durch bloße Zugehörigkeit beansprucht werden kann.
5 Vgl. Bhagavad Gītā 2,62–63. Dort wird eine Folge beschrieben, die von der gedanklichen Beschäftigung mit den Sinnesobjekten über Anhaftung (saṅga) und Begehren (kāma) zu Zorn (krodha), Verblendung (saṃmoha), Verlust der Erinnerung und schließlich zum Verlust der Unterscheidungskraft führt.
6 Rudolf Steiner: Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten?, GA 10, Kapitel „Der Hüter der Schwelle“ sowie „Leben und Tod – der große Hüter der Schwelle“.
7 Vgl. Gal 2,20: „… nicht mehr lebe ich, sondern Christus lebt in mir …“ Die Formulierung im Text gibt den paulinischen Gedanken sinngemäß wieder.

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