Der „Kreislauf des Unlogischen“ beschreibt einen inneren Prozess, bei dem einseitiges oder egoistisch geprägtes Denken zu seelischer Verengung, Selbsttäuschung und fehlender Entwicklung führt. Ganzheitliche Logik dagegen bildet die Grundlage für Erkenntnis, Beziehung und seelische Entwicklung.
Von Heinz Grill
Was ist unlogisches Denken?
Das Unlogische1) Der Begriff „unlogisch“ wird hier nicht im Sinne formaler Logik verwendet, sondern beschreibt eine einseitige, nicht-ganzheitliche Form der Wirklichkeitsauffassung. im Denken, das sich meist in ein inadäquates, mehr fühlendes Bewusstsein fortsetzt, besitzt tatsächlich eine scheinbare Form der menschlichen Gleichmütigkeit. Wie sehr sprechen manche Personen Absolutheiten aus, die einen Mangel an zusammenhängendem Wissen aufweisen und dennoch mit Zufriedenheit den Menschen begleiten. Teilausschnitte aus dem Leben gewinnen mehr Wert als eine wirklich ganzheitliche Logik. Während alles Unlogische materialistisch und einseitig fixiert ist, bildet die Logik eine schöne und zusammenhängende Wirklichkeit, die denkend erfassbar ist und im Fühlen eine Harmonie erzeugt.
Wie Denken das Fühlen beeinflusst
Wie denkt eine Person und wie schließt sich daran das Fühlen und das Handeln folgemäßig an? Wenn eine egoistische oder materialistische Anschauung2) Mit „materialistisch“ ist hier nicht primär wissenschaftliches Denken gemeint, sondern eine auf äußere Vorteile und persönliche Begrenzungen reduzierte Sichtweise des Menschen. auf eine nächste folgt, so erscheint der Ablauf zwar in einer logischen Gesetzmäßigkeit, und doch teilt er nur eine begrenzte Wahrheit mit. Eigentlich ist ein egoistisches und zugleich materialistisches Leben eines Menschen unlogisch und nicht nur dies, sondern auch beengend, einschränkend sowie zuletzt zerstörend. Die Logik ist ein Teil der Weltenschöpfung, sie bildet ein Kernstück der Entwicklung, und die menschliche Seele strebt insgeheim danach, die unfertigen Teile einer begrenzten Aussage zu einer wahrheitsmäßigen und gültigen Wirklichkeit zu erheben. Das Detail will zu einem Ganzen werden. Die Seele will immer mehr eintauchen in eine Ganzheit3) Das Verständnis der Ganzheit hat auch eine zentrale Bedeutung für die Gesundheit. Der Mensch benötigt beispielsweise zur Stärkung des Immunsystems auch die Auseinandersetzung mit dem Bösen und dem Lügenhaften, um seinem Bedürfnis nach Ganzheit gerecht zu werden. und sich nicht durch begrenzende Teilwirklichkeiten limitieren.
Warum Ausreden den Menschen innerlich begrenzen
Ein klassisches Beispiel kann diesen Kreislauf, der mit dem unlogischen Denken und Fühlen entsteht, recht eindrucksvoll beschreiben. Ein Lehrer regt seine Schüler an, ihr Fachgebiet ordentlich zu lernen und es in den nächsten Wochen vorzustellen. Nachdem der Zeitraum der Vorbereitung vergangen ist, treten die Schüler mit der Entschuldigung an, sie hätten keinen Zugang zu den Themen gefunden und könnten deshalb die erste Fachkunde nicht darlegen. Gleichzeitig seien Wetterbedingungen gewesen, die eine Konzentration auf die Lerninhalte nur schwerlich zugelassen hätten. Man hätte sich aber mit größtem Einsatz bemüht. Die Aufgabenstellung wäre zu schwierig und nur für höchst erfahrene Kenner des Feldes zugänglich.
Aus diesen Worten spricht sehr deutlich eine Art Beziehungslosigkeit und sogar Interessensverneinung, die einen leisen Unterton der Anschuldigung beinhaltet: Es sei alles die Schuld des Lehrers, da dieser die Aufgabe zu schwierig gestellt hatte. Die Schüler wollen die Inhalte nicht verwirklichen, und deshalb bleiben sie in ihrer Gemütslage, sie verfehlen die Entwicklung, und wenn es weitergedacht wird, kann logischerweise kein vernünftiges Ergebnis vorgetragen werden. Die Antipathie zum Zielobjekt herrscht über der Sympathie und ein Kreislauf des Rückzuges, hinweg vom Thema ins persönliche Erleben hinein, beherrscht die weitere Stimmung. Man hätte sich ja bemüht, aber das Ganze sei einfach eine Überforderung.


Der Zusammenhang von Logik und seelischer Entwicklung
Logisch und wirklich ist jene Leistung, die tatsächlich real im Willen, im Denken und im Fühlen begonnen wird. Am ersten Tag der Annäherung an ein neues Thema erscheinen die zu lernenden Gedanken und Inhalte überdimensioniert, schwierig, grau, ohne Differenziertheit, befremdend, vielleicht unnahbar, und ein Gefühl der Ohnmacht ergreift so manche lernende Seele. Vielleicht mögen sich diese Empfindungen des völlig Unzulänglichen in der eigenen Person am zweiten Tage fortsetzen. Bleibt ein Schüler jedoch am Thema, richtet er sich erneut auf die lerngemäßen Inhalte aus, wird er meist schon am dritten Tage eine erste „Aurora“ erleben, eine Aufheiterung der schweren und lastenden Wolkenschicht im Denken. Die Fortsetzung der Lerndisziplin über einige Tage und Wochen hinweg führt immer zu einem Erfolg, und auch wenn dieser Gewinn in unterschiedlichen Graden bei den verschiedenen Personen eintritt, so ist er dennoch immer spürbar. Jener, der sehr unbegabt ist, lernt ebenfalls und gewinnt einen wachsenden Zugang zu den Themeninhalten. Von dieser Wahrheit und Logik des Lernens selbst muss der gesunde Menschenverstand ausgehen, denn wenn er diese Voraussetzungen nicht einräumt, fällt er in sein persönliches Gemüt und sucht gerne nach materialistischen Begründungen, warum er kein Ergebnis vorlegen kann. Ein Kreislauf des unlogischen Interpretierens mit Ausweichen vor konsequenten Lernschritten kann leider das ganze menschliche Bewusstsein und das Leben in wachsende Beeinträchtigungen führen.
Der Kreislauf des Unlogischen ist deshalb wie eine Realität zu sehen, da alle unlogischen Erklärungsmodelle, Interpretationsversuche, Schnellschlussfolgerungen, Spekulationen, und intellektuell materialistische Bewertungen, gerade jene Gefühle erzeugen, die den Menschen mehr in den Körper hinein fixieren und zuletzt seine empfindsame Herzensregion verschatten. Diese Verschattung wird aber nicht als Leiden erlebt, sondern mit einem falschen Selbstwertgefühl kompensiert. Der Kreislauf der Unlogik endet in der Enge des Leiblichen.
Materialismus und seelische Verengung
Es entsteht durch unlogisches Denken, Fühlen und Handeln dieser tatsächlich nachvollziehbare Kreislauf der Selbstillusion und der falschen Selbstgefühle, oftmals sogar der Überheblichkeit und einer Rechthaberei. Eine Person sagte sogar einmal, sie sei ganz besonders göttlich auserwählt, da sie während der Kriegszeit durch Vorsehung und Vorahnung nicht in das damalige Passagierschiff „Wilhelm Gustloff“ gestiegen war, das in tragischer Katastrophe im Winter in der Ostsee mit 10.000 Passagieren, die auf der Flucht waren, gesunken ist. Anstelle von Mitgefühl entwickelte diese Person eine spirituell übersteigerte Selbstdeutung, in der sich eine narzisstische und in gewisser Hinsicht wahnhafte Überhöhung des eigenen Auserwähltseins zeigte.4) Die Begriffe „narzisstisch“ und „wahnhafte Überhöhung“ werden hier nicht im klinisch-diagnostischen Sinn verwendet, sondern beschreiben psychologisch-phänomenologisch beobachtbare Tendenzen der Selbstüberhöhung und Realitätsinterpretation. Sie sagte: „Dank der Vorsehung waren wir, meine Familie und ich, so stark von Gott inspiriert, dass wir den Landweg als Flucht wählten und deshalb nicht zu den ungöttlichen anderen Menschen gehörten.“
Diese und ähnliche Gefühle muten im besonderen Maße dem Herzzentrum widersprüchlich an, und das mitfühlende und menschlich erbauende Potential, das eine beziehungsvolle Mittenorientierung, Nähe und Innerlichkeit zu Wahrheiten darstellen würde, verschattet sich. Seelisch gesehen wird das menschliche Bewusstsein tatsächlich arm und kompensiert ständig mit weiterem Materialismus sowie egoistischen Begehrensformen. Es fehlt der Schatz im Inneren, die Wirklichkeit und Logik, der Inhalt der Seele, und deshalb braucht der Mensch dann beständig sehr körperlich orientierte Verhaltensformen. Die logische Schlussfolgerung aber wäre: Wenn die göttliche Inkarnation doch auf das Schiff gestiegen wäre, so hätte gemäß der Logik das Schiff gerettet werden müssen, da eine solch hohe Person niemals falsche Entscheidungen trifft und immer zu den Begnadigten gehört.


werdender Winkel, der den Raum aufnehmend belebt und das Licht zirkulieren lässt.
Gleichmut im Yoga und bei Rudolf Steiner
Die Logik entspricht einem Denken, das im besonderen Maße ganzheitlich und inhaltlich ausgerichtet ist, während die Unlogik nur Teilbereiche berücksichtigt und sich hinter materialistischen Erklärungen und Einseitigkeiten der Wahrnehmung tarnt. Wenn Rudolf Steiner den Gleichmut5) Rudolf Steiner beschreibt Gleichmut im Rahmen der „sechs Nebenübungen“ als Fähigkeit, Sympathie und Antipathie innerlich auszugleichen, um ein freieres, nicht-reaktives Bewusstsein zu entwickeln. Der Begriff erscheint auch in der Schrift „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ als eine der sechs Grundeigenschaften des Herzzentrums. als den sechsten Punkt für das Herzzentrum benennt und den Schüler auffordert, Sympathischem und Antipathischem in gleichem Maße frei gegenüberzutreten, so erscheint es wohl wichtig zu bemerken, dass das Bewusstsein tatsächlich in einem ganzheitlichen Denken gegründet sein muss und nicht im Gegensatz dazu in persönliche Einseitigkeiten mit Vorlieben zu Sympathien oder Antipathien der Emotionen entgleitet. Im Yoga bedeutet der Gleichmut so viel wie die Unterscheidungsbildung zwischen vidya und avidya6) Die Philosophie des Yoga (insbesondere im Yoga Sutra von Patanjali wie auch im Vedanta) bezeichnet vidya als erkenntnishaftes Wissen im Sinne von Durchdringung der Wirklichkeit, während avidya Unwissenheit oder Fehlwahrnehmung der Wirklichkeit meint., Wissen und Nichtwissen. Materialistische Begründungen vorzulegen, um einen Tatbestand zu entschuldigen oder sein persönliches Scheitern zu erklären, ist eine Darlegung von avidya, von Nichtwissen, und gilt im strengen Kontext des Yoga als billige Ausrede vor der wesentlichen Entwicklung.
Die Logik des egoistischen und materialistischen Gesonnenseins dominiert in weitesten Zügen die gesamte Welt. Ist jemand beispielsweise gesund und erfolgreich aufgrund seines wirklichen und wahrhaftigen Tätigseins, seines Könnens und seiner Intelligenz, oder nimmt er sich Vorteile von anderen, die ihre Energie auf falsche Weise hinopfern? Unterwürfigkeit und Macht, Lüge und Belogen-werden-Wollen, Raffinesse und Naivität wirken häufig logisch zusammen und bilden scheinbar ein Ganzes. Die Yogalehre, wenn sie ernst genommen wird – und dies gilt nicht nur für Yoga, es wäre auch für Anthroposophie gültig und weiterhin für jede geistige Erfahrung –, benennt diese Haltungen als Nicht-Sein, als eine Armut im Herzen und eine Illusion, die nur zu Lebzeiten einen scheinbaren, aber wirklich nur scheinbaren Bestand hat. Der Kreislauf des unlogischen Interpretierens von verschiedenen Umständen will den Menschen jedoch nicht aus seinem Bann entlassen, denn es ist ein Machtzugriff des Versuchers, der sich der menschlichen Seele bemächtigt.
Hegels Gedanke vom Ganzen
Die Logik war Georg Wilhelm Friedrich Hegel ein großes Anliegen und er schrieb die „Wissenschaft der Logik“. Eine wesentliche Aussage dieses denkenden und grandiosen Philosophen ist folgende:
„Das Wahre ist das Ganze. Das Ganze ist aber nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen.“7) Hegel entwickelt in der „Wissenschaft der Logik“ und der „Phänomenologie des Geistes“ die Idee, dass Wahrheit nicht in isolierten Aussagen, sondern im Zusammenhang des Ganzen und seiner Entwicklung zu verstehen ist. (W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Vorrede, abgerufen am 20.05.2026)

Weltenschöpfung sein. Wenn Meditation nur
egoistisch, eng und in sich abgeschlossen bleibt,
ist diese Haltung unlogisch oder, anders
ausgedrückt, sinnwidrig.
Anmerkungen
| ⇑1 | Der Begriff „unlogisch“ wird hier nicht im Sinne formaler Logik verwendet, sondern beschreibt eine einseitige, nicht-ganzheitliche Form der Wirklichkeitsauffassung. |
|---|---|
| ⇑2 | Mit „materialistisch“ ist hier nicht primär wissenschaftliches Denken gemeint, sondern eine auf äußere Vorteile und persönliche Begrenzungen reduzierte Sichtweise des Menschen. |
| ⇑3 | Das Verständnis der Ganzheit hat auch eine zentrale Bedeutung für die Gesundheit. Der Mensch benötigt beispielsweise zur Stärkung des Immunsystems auch die Auseinandersetzung mit dem Bösen und dem Lügenhaften, um seinem Bedürfnis nach Ganzheit gerecht zu werden. |
| ⇑4 | Die Begriffe „narzisstisch“ und „wahnhafte Überhöhung“ werden hier nicht im klinisch-diagnostischen Sinn verwendet, sondern beschreiben psychologisch-phänomenologisch beobachtbare Tendenzen der Selbstüberhöhung und Realitätsinterpretation. |
| ⇑5 | Rudolf Steiner beschreibt Gleichmut im Rahmen der „sechs Nebenübungen“ als Fähigkeit, Sympathie und Antipathie innerlich auszugleichen, um ein freieres, nicht-reaktives Bewusstsein zu entwickeln. Der Begriff erscheint auch in der Schrift „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ als eine der sechs Grundeigenschaften des Herzzentrums. |
| ⇑6 | Die Philosophie des Yoga (insbesondere im Yoga Sutra von Patanjali wie auch im Vedanta) bezeichnet vidya als erkenntnishaftes Wissen im Sinne von Durchdringung der Wirklichkeit, während avidya Unwissenheit oder Fehlwahrnehmung der Wirklichkeit meint. |
| ⇑7 | Hegel entwickelt in der „Wissenschaft der Logik“ und der „Phänomenologie des Geistes“ die Idee, dass Wahrheit nicht in isolierten Aussagen, sondern im Zusammenhang des Ganzen und seiner Entwicklung zu verstehen ist. (W. F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, Vorrede, abgerufen am 20.05.2026) |