Wie wirkt die Architektur auf den Menschen?

Die Räume, in denen wir uns täglich aufhalten, beeinflussen unser Wohlbefinden und unsere Gefühl des harmonischen Aufgenommensein im Irdischen. Viele Menschen sehnen sich daher nach einer nicht nur zweckmäßigen, sondern auch die Sinne und das Interesse anregende Gestaltung der Wohn- und Arbeitsräume. Die Erfahrung zeigt, dass künstlerisch wenig ansprechende Zweckbauten sich negativ auf das Wohlbefinden auswirken und beispielsweise viel mehr zu Gereiztheit und Vandalismus einladen, als Bauten, die durch ihre Gestaltung den Betrachter faszinieren.

Das auf diesem Video aufgezeichnet Gespräch, das der Lyriker Rainer Dahlhaus mit Karl-Dieter Bodack und Heinz Grill über „Spirituelles Bauen“ geführt hat, kann einige wesentliche Aspekte dieser Wirkung der Architektur auf den Menschen beleuchten. Ich möchte dieses Video deshalb allen Lesern, die an Architektur und künstlerischer Gestaltung interessiert sind, wärmstens empfehlen.

Karl-Dieter Bodack ist Ingenieur und Designer. Er wurde bekannt durch die Gestaltung der Interregio-Züge der Deutschen Bundesbahn, bei denen allein durch die ansprechende Innengestaltung der herrschende Vandalismus um 75% zurückgegangen ist. Auch das Interregio-Bistro, das er nach den Grundsätzen der sogenannten Organischen Architektur Rudolf Steiners gestaltete, war ein großer Erfolg. Er begründete zudem einen interdisziplinären Studiengang für Design sowie ein Unterrichtsfach zum „Sozialen Prozess“ an der Hochschule Coburg.

6 Replies to “Wie wirkt die Architektur auf den Menschen?”

  1. Wie das Interview zeigt, sollte Architektur harmonisch geplant werden. Meiner Meinung heißt es, dass man sich nicht von Trends inspirieren lassen sollte, sondern müsste man zeitlosen Design anwenden, die auch praktisch sind. Auf diesen Weise werden Menschen positiv beeinflusst.

  2. Ich habe in meinem ersten Studium Architektur studiert. Ich denke ebenfalls, dass Architektur stark auf den Menschen wirken kann. Wie er das Gebäude nutzt, sich darin fühlt und sich schlussendlich darin bewegt.

  3. Danke für das berührte Thema aber die Meinung von Walter finde ich treffend: Man möge Goethe nicht nur zitieren, sondern sich in seiner Art der Anschauung schulen. Der Architekt ist für uns ein Meister im Bauwesen, kennt ja alle Kniffe:) Wir haben uns für ein Passivhaus entschieden https://www.auernovum.at Die fachliche Beratung hat uns alle Für und Wieder veranschaulicht, so dass es in unserem Fall die beste Variante im Moment wäre:) Vervollkommnen kann man sein Leben lang:)

  4. Die Aktualität Organischer Architektur zeigt sich in der Frage und dem Bedürfnis nach geistreichem Bauen und gesunden Ergebnissen, nach spirituellem Denken, Planen und Bauen. Die Fragen nach dieser Form künstlerischen Bauens werden in der „organischen Architektur“ bewegt und kontrovers diskutiert. „Die Sinne können sich weiten, sie können sich auch stören an bestimmten Formen“, sagt Heinz Grill. Alle Formen und Linien entfalten eine direkte Rückwirkung auf den Menschen. Die Seelische Regsamkeit wird z.B. durch die Rundung gefördert, an dem geraden rechtwinkligen Eindruck kann die Seele anstoßen und sich stören.
    Das Enge und Drückende des Winkelsystems, wie es Heinz Grill ausdrückt, wirkt weniger aufbauend als das weite, leichte und gerundete Prinzip.
    Es muss jedoch noch mehr als nur die äußere Form sein, wenn wir von organischer oder lebendiger Architektur sprechen. Dieser Seelenseite der Architektur können wir durch Schulung und Lernangebote von Heinz Grill näher kommen.
    Die Frage nach der Begrifflichkeit „organischer“ Architektur wird heute lebhaft diskutiert, ob es geeignetere Wortbeschreibungen gibt, zu sagen was eigentlich gemeint ist. Aber was ist eigentlich gemeint?
    Entsteht aus dem klaren Gedanken, eine klare Form und daraus zwangsläufig der Würfel?
    Der Würfel ist die räumliche Anschauung der Welt in seiner physischen Prägung. Wie kann ich den Würfel in die nächste Form verwandeln, ein lebendiges Denken entwickeln lernen, das mehr berücksichtigt, als die physische Prägung. Wenn ich aufmerksam werde auf die Wahrnehmungen in der Bauaufgabe und für das Gedankenleben im Umgang mit den beteiligten Menschen, welche Herausforderung bietet sich dann für den Architekten.
    Heute herrscht das informative und das methodische Prinzip vor und wir kommen nicht raus aus dem „Würfel-Denken“. Reicht es aus, den rechten Winkel aufzubrechen und die Form zu dynamisieren, wie es Walter Buckel in seinem Kommentar zur BMW Welt in München anmahnt?
    Was wird heute gebraucht, um heraus zu kommen aus der Nachahmung, dem Kopieren und der Wiederholung?
    Warum werden wir als Architekten überhaupt noch gebraucht, wenn das schöpferische Potential durch Wiederholungen ignoriert wird? Kopieren macht das Leben leicht, den Kopf aber schwer.
    Solange das Nützlichkeitsprinzip das Bauen und die Gestaltung diktiert, das Exklusive mit dem Individuellen gerechtfertigt wird und Architektur zu einem erstarrten Werbeslogan erstarrt, können wir ihr nicht mehr entkommen.
    Nehmen wir nocheinmal das Beispiel von BMW in München: Welcher eigenwillige Expressionismus lebt in diesen Beispielen „lebendig geschwungener Architektur“? Faszination ist noch nicht Schönheit, hat Pieter van der Ree auf der letzten Tagung zur Organischen Architektur in Dornach ausgedrückt.
    Was wir brauchen ist Geistesgegenwart und einen umfassenden Blick auf das Umfeld, auf das gesamte Geschehen mit seinen beteiligten Menschen. Auch der Auftraggeber soll zur bestmöglichen Darstellungsform kommen.
    Es existiert eine Bequemlichkeitskultur, die jedes Geistesfeuer zu ersticken droht und ich wage mal die These, dass das Lebendige genau dort entstehen kann, wo die Überwindung der Bequemlichkeit geschieht, wo mehr Fragen als Antworten gestellt werden.
    Wir können die geistige Verfassung der Welt an der Architektur ablesen lernen. „Tief durchdrungen, in Stein errichtet, das ewig tätige Leben – und dazwischen liegt das Problem“, führte Christian Hitsch auf der Tagung in Dornach aus.
    Der Ursprungsimpuls geht von Rudolf Steiner aus.
    Von Rudolf Steiner hören wir: “ Die Architektur drückt ursprünglich die Art und Weise aus, wie der Mensch von den Weiten des Kosmos aufgenommen sein will.“
    Was es bedeutet, wenn es ein Zentrum gibt, ein Zentrum, um das sich die Nebengebäude ansiedeln und in vielfältiger Beziehung zueinander stehen, das kann man in Dornach sehen. Das eine entwickelt sich aus dem anderen und steht in Beziehung zum Zentrum. Das Metamorphoseprinzip wurde von Steiner als universell gültiges Bewegungsgesetz charakterisiert und von Heinz Grill auch praktisch umgesetzt in seinen Schulungen und gebauten Beispielen in Italien.
    Denken wir Architektur radikaler und nehmen wir den Menschen in dem geschäftigen Getriebe wahr, sehen wir die Umgebung, in der sich das Gebäude einfügen soll und die spezifische Nutzung als einen wesentlichen Beitrag zur Aufgabenstellung, nehmen uns die notwendige Zeit und fragen uns, was eigentlich entstehen soll, dann wird es lebendig und auch schön.
    So wie das Herz keine Pumpe ist, ist das Gebäude keine Maschine.

  5. Wie wirkt Architektur auf den Menschen

    Etwas stutzig macht mich das Beispiel von Herrn Bodack auf die letzte Frage, wie geistig durchdrungene Architektur in das Baugeschehen Eingang finden könne. Er erkennt die BMW WELT in München als ein zukunftsweisendes Gebäude. Es soll angeblich dazu beitragen, die Isolation und die Sehnsüchte der Menschen nach Veränderung zu verringern. Er erklärt das Gebäude zum Sinnbild einer Metamorphose, vergleicht die Fassaden mit mächtigen Eisblöcken und erkennt einen Wirbelsturm, der lemniskatengleich aufsteigt.

    Welchen sinnfälligen Zusammenhang diese Bilder auch ergeben mögen, mir erschließen sich diese Ausführungen nicht. Vielmehr sehe ich wie diese Eventarchitektur nur ein Begehren im Menschen durch aufgeblähte und doch schwächliche Nachbildungen der Natur weckt. Diese Motive stehen ohne jeglichen Zusammenhang mit dem Produkt, der Stadt und dem unmittelbaren Umfeld, sie sind banal, wirken egoistisch und heischen nach Aufmerksamkeit. Sie wollen gar nicht sprechen sondern nur schreien, sie grenzen sich ab, obwohl sie mit wulstigen Formen einen riesen Schlund darstellen. Sie zeigen Eitelkeit, Arroganz und das Unvermögen zu sozialer Verantwortung, für unsere Autoindustrie gerade passend.

    Die Fehleinschätzung für dieses Gebäude im Sinne einer unvoreingenommenen Betrachtung, wird noch deutlicher, wenn man, nur ein Steinwurf entfernt, das Auge über das sich in allen Teilen erklärende Olympiazeltdach oder das BMW Hochhaus samt Museum gleiten lässt. Es ist dramatisch wie die Sprache der Architektur immer mehr die feine Nuancierung ablegt und sie gegen lautes Geheul austauscht. Man möge Goethe nicht nur zitieren, sondern sich in seiner Art der Anschauung schulen.

  6. Liebe TV-Macher!
    Die Musikunterlegung lenkt total vom Gespräch ab,…mich jedenfalls.
    Die Inhalte sind so wichtig und auch so gesprochen, dass ich mit der Aufmerksamkeit ganz dabei bin,… aber die Musik unterbricht das für mich.
    Viele Grüsse
    Petra Baloscheskul

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