Welche Bedeutung haben die Augen für Brahmacarya und die Yoga-Praxis?
Im Verständnis des Neuen Yogawillens zeigt sich Brahmacarya nicht allein in äußeren Lebensformen, sondern in der bewussten Ausrichtung auf geistige Ideale. Die Augen können dabei Ausdruck von Wachheit, Interesse und klarer Wahrnehmung werden. Bei der Praxis der Yoga-Asanas bleiben sie deshalb möglichst geöffnet: Sie unterstützen die bewusste Orientierung, die Wahrnehmung der Form und die gestaltende Führung der Bewegung.
Dies ist der zweite Teil der Betrachtung über Brahmacarya. Im vorausgehenden Beitrag wurde Brahmacarya als eine Form bewusster geistiger Ausrichtung und Friedensarbeit beschrieben.
Von Heinz Grill:
Brahmacarya als Ausrichtung auf geistige Ideale
Die Ausrichtung zur Reinheit ist nicht nur eine Angelegenheit der Lebensformen, beispielsweise eines soliden vegetarischen Eingestelltseins. Es ist im Kern und Inhalt durch die Entscheidung zum Geiste als Ziel und Mittelpunkt des Lebens getragen. Wenn diese Entscheidung solide erfolgt, richtet sich der Rücken wie automatisch mit seiner Spannkraft interessensvoll auf und über das siebte Chakra, das Scheitelzentrum, tritt eine klare Aufhellung in die Augenpartie herein, die jegliches nebulöse Müßiggehen vertreibt. Die Augen beginnen sich wie kristallin aufzuhellen. Der Glaskörper im Auge, der wie aus Licht selbst gewoben ist, beginnt stärker seine eigene Lichtradiation auszustrahlen.1) Der Glaskörper (Corpus vitreum) ist die transparente, gelartige Substanz, die einen großen Teil des Augeninneren ausfüllt. Die im Text beschriebenen „Lichtradiationen“ sind als geistig-phänomenologische Beschreibung zu verstehen, nicht als ophthalmologische Aussage. Nicht nur Reflexionen, sondern tatsächliche Radiationen können dadurch von den Augen ausgehen.
Die Augen als Ausdruck von Interesse und innerer Wachheit

Das Studium von verschiedenen Augenpartien ist deshalb sehr wertvoll, denn es zeigt vielleicht im ersten Sinne die Interessenslage. In feinsten und profunden Anteilen aber offenbart es das Lichtwerden im Glaskörper selbst.
Dieses Auge, das von Licht umwoben ist und lebendige Gedanken transportieren kann, sollte bei der Praxis mit Yoga-Asana gemäß den Unterrichtsidealen, wie sie allgemein in diesem Lehrunterricht praktiziert werden, offen bleiben.2) In verschiedenen Yogatraditionen werden die Augen je nach Übung geöffnet, halb geöffnet oder geschlossen gehalten. Der vorliegende Text beschreibt die Praxis geöffneter Augen innerhalb des hier vertretenen Unterrichtsansatzes. Das Öffnen der Augen erleichtert die Führungskraft des Bewusstseins und fördert das gestaltbildende Eingreifen bestimmter Wahrnehmungsprozesse vom Bewusstsein zum Leibe. Das Auge hilft, die Formen in ihrer inneren Bewegtheit zu erkennen.3) In manchen Yogatraditionen wird die bewusste Blickführung als dṛṣṭi bezeichnet. Sie dient der Sammlung der Aufmerksamkeit und der Orientierung innerhalb der Haltung.
Wachheit und Gestaltungskraft in der Asana
Je nachdem, welche Schwierigkeit eine Übung aufweist, fordert sie die Wachheit im Bewusstsein heraus und der Übende muss sich in die gestaltbildende Entwicklung der Form begeben. Allgemein können die Ziele, die sich jemand innerhalb der Asanaübung setzt, die Ausstrahlungen der gesamten persönlichen Natur fördern und einen erheblichen Beitrag zu der Reinheit des Daseins ermöglichen.

Die Augen führen immer die Stellung.


Anmerkungen
| ⇑1 | Der Glaskörper (Corpus vitreum) ist die transparente, gelartige Substanz, die einen großen Teil des Augeninneren ausfüllt. Die im Text beschriebenen „Lichtradiationen“ sind als geistig-phänomenologische Beschreibung zu verstehen, nicht als ophthalmologische Aussage. |
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| ⇑2 | In verschiedenen Yogatraditionen werden die Augen je nach Übung geöffnet, halb geöffnet oder geschlossen gehalten. Der vorliegende Text beschreibt die Praxis geöffneter Augen innerhalb des hier vertretenen Unterrichtsansatzes. |
| ⇑3 | In manchen Yogatraditionen wird die bewusste Blickführung als dṛṣṭi bezeichnet. Sie dient der Sammlung der Aufmerksamkeit und der Orientierung innerhalb der Haltung. |