Zum Seminar vom 14.-15. Oktober „Zukunftsperspektiven und Grundlagen für Projektarbeit“

Die Zukunft für Yogakurse

Infolge der Coronakrise mit ihren Regelmaßnahmen reduzierten sich nahezu alle Angebote auf dem Yogamarkt, sowohl diejenigen, die privat ausgeschrieben waren, als auch jene, die über den Träger einer Bildungseinrichtung stattfanden. Wenn ein Yogalehrer seinen Beruf ausüben möchte und sein Angebot nach außen wendet, müsste er weitaus mehr Werbung als früher leisten und kann sich dennoch keiner großen Besucherzahl erfreuen. Die Existenzprobleme, die durch Corona und die damit verbundene Politik entstanden sind, lassen dem heutigen Bürger am wenigsten Raum für ein Kursangebot in jenen Bereichen, die allgemein unter Gesundheitspflege und philosophische Bildung fallen.

Die Körperübung ist weniger eine Entspannungsübung, sondern kann für die Zukunft eine Erkenntnisübung werden.
Foto: Sigrid Groß-Göritz

Grundsätzlich leidet jedoch der Yoga schon seit langem unter einer Entfremdungstendenz, die sich in besonderem Maße durch Wellness, Fitness, Entspannungstraining und banalisierte Selbstfindungsbemühungen ausdrückt. Die Körperübungen von den meisten Kursen dienen in der Regel nur einer einfachen Gesundheitsprävention und werden kaum im anspruchsvolleren Sinne als Übungen, die zu einer realen Bewusstseinserkraftung und schließlich sogar zu einer spirituellen Erkenntnis führen können, verstanden. Sie bleiben fast immer Körper- und Entspannungsübungen mit einem emotional-energetischen Akzent der Wohlfühlstimmung.

Will man den spirituellen Aspekt des Yoga näher beleuchten, muss auf dringende Weise der Unterschied zwischen dem Begriff der Konsumorientierung und der so unangenehm anmutenden Opferleistung betrachtet werden. Yoga selbst, wenn er nur einen Funken von Spiritualität beinhalten soll, benötigt ein Opfern von unangemessenem egoistischen selbstsüchtigen Begehren und ein zumindest partielles Grenzüberschreiten der Gewohnheiten des Körpers. Die Wortformel, dass der Körper wisse, was für den Menschen gut sei, ist für Yoga im anspruchsvollen Sinne gänzlich falsch, denn es handelt sich um die Entwicklung des Bewusstseins, das es zu trainieren und zu erweitern gilt, damit der einzelne Praktizierende auf seinem spirituellen Weg eine höhere Form der Gesundheit und eine Unterscheidung entwickelt, was für ihn günstig und im Vergleich dazu schädlich ist. Gewissermaßen muss der Übende seine angelegten Körperemotionen überwinden, um zu edleren, feineren Bewusstseinsformen mit inniglicher Wahrheitsempfindung und geistigen Einsichten aufsteigen zu können.

Die spirituelle Dimension des Yoga liegt nicht in den Wortformeln: „Was kann ich für mich gewinnen? Was könnte ich für meine sterbliche Welt konsumieren? Wie kann ich mich im Körper erretten?“ Diese Formulierungen richten sich an eine materialistisch ausgerichtete Motivation und klammern die geistige Perspektive aus. Der Akzent von Spiritualität beruft sich mehr auf die Transformierung konsumorientierter Übungsformen und achtet auf die Entwicklung von Bewusstseinsformen, die den geistigen Gesetzmäßigkeiten gerecht werden und eine Überwindung von kleinlichen Existenzängsten, körperabhängigen Emotionen, Launen und banalen Ideologisierungen voraussetzt. Für eine wirkliche, gute Yogaarbeit muss derjenige, der Fortschritte mit nachhaltigem Charakter erzielen möchte, sich an hohe Ideale hinwenden und diese zum großen Ziel seines Lebens erklären. Er muss sein ganzes Leben nach edlen Gedanken ausrichten und eine hohe Bereitschaft zu Veränderungen haben.

Die Yogakurse, die für die Zukunft erfolgreich sein können, müssen eine neue Form der Gemeinschaftlichkeit und der sozial-spirituellen Gegenseitigkeit mit gut gewählten Inhalten aufweisen. Obwohl Gruppenbildungen gerne zu einem illusionären weltflüchtigen Charakter beitragen, ist es doch so, dass sich Menschen auf rechte Weise versammeln und zueinander bewegen lernen müssen. Sowohl das Individuelle als auch das soziale Gefüge sollen sich durch Yogaübungen, die auf inhaltlich hochwertige Weise praktiziert werden, stärken.

Ein Lehrer darf sich nicht anbiedern, um sein Produkt, den Yoga, zu bewerben. Vielmehr ist es für die Zukunft wichtig, dass sich Menschen zu einer Idee, die tragenden Inhalt hat und ästhetische Sinnhaftigkeit zusammenschließen und in die Ausarbeitung dieser Idee kommen. Der Yoga ist dann nicht mehr in der klassischen Linie, dass ein Meister andere belehrt, sondern dass sich verschiedene Personen mit unterschiedlichen Voraussetzungen und Können vereinen und mithilfe eines Lehrers, der weisheitsvolle Grundlagen erworben hat, gemeinsam in die Ausarbeitung des Yoga und seiner reinen Erscheinungsformen begeben. Das Verhältnis zwischen einem, der lehrt, und einem, der empfängt, ergänzt sich progressiv und bleibt in Hinblick auf die Verwirklichung der Idee ein lebendiger Prozess der gegenseitig wachsenden Entwicklung.

Wie im Einzelnen die Schritte für die Zukunft eines Yogaunterrichtes aussehen können, soll in dem Seminar zusammen mit Uwe Burka vom 14. und 15. Oktober beleuchtet werden. Es können viele praktische Grundlagen zur zeitgemäßen Entwicklungsfrage in die Betrachtung rücken.

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