Aktualisiert am 24.05.2026
Von Heinz Grill
Was ist Baddha Konasana?
Baddha Konasana1) baddha koṇāsana bedeutet wörtlich „gebundene Winkelhaltung“ und wird häufig auch als Schmetterlingshaltung bezeichnet., die sogenannte Winkelsitzhaltung oder Schmetterlingshaltung, gehört zu den klassischen Yogaübungen zur Öffnung des Beckens und Aktivierung des Bauchraumes. Im neuen Yogawillen wird diese Stellung insbesondere mit der harmonisierenden Energie des sogenannten Samana Vayu verbunden, die zentrierend, kräftigend und ordnend auf den Organismus wirken kann.
Die energetische Bedeutung der
Winkelsitzhaltung – Prana und Vayu
In den allgemeinen Sprachformulierungen der modernen Zeit spricht man wohl für alle nicht materiellen Phänomene das Wort Energie aus. Während die Materie durch feste Strukturen und definierbare Beschreibungen gekennzeichnet ist, zeigt sich bei den Wesensoffenbarungen der Energie eine Bewegung oder eine Kraftumsetzung, die jedoch nur bedingt messbar oder beschreibbar ist.
In der Yogalehre existiert für alle Bewegungs- und Kraftimpulse, die auf einer ersten Stufe nicht materieller Art sind, das Wort Prana2) prāṇa bedeutet ursprünglich „Lebenskraft“, „Atem“ oder „belebendes Prinzip“. In den klassischen Yogaschriften bezeichnet der Begriff nicht lediglich physische Energie, sondern ein differenziertes Lebens- und Bewegungsprinzip.. Leider wurde diese Sanskritbezeichnung von Prana, die so viel heißt, wie Lebensenergie, banalisiert und für allerlei psychische und physische Phänomene gebraucht. Nach genaueren Unterscheidungsmerkmalen existieren fünf sogenannte Lebensenergien oder Vayu. Diese sind Apana, Prana, Vyana, Udana und Samana.3) Die Yogatradition unterscheidet fünf Hauptformen des prāṇa: prāṇa, apāna, samāna, udāna und vyāna. Diese werden funktionell verschiedenen Bewegungs- und Organisationsprozessen des Organismus zugeordnet.

Die Analogie von Prana- und Ätherkräften?
In der Anthroposophie wurde bis heute diese Terminologie aus dem Sanskrit nicht übernommen, denn Rudolf Steiner lehnte sich mehr an den okzidentalen okkulten Schulen an und sprach, ähnlich wie die älteren griechischen Eingeweihten, vom Ätherleib und seiner Viergliedrigkeit. Der Ätherleib ist in einen Wärmeäther, Lichtäther, chemischen Äther und Lebensäther unterteilt.4) Der Begriff „Äther“ wird hier im Sinne der anthroposophischen Terminologie Rudolf Steiners verwendet und meint formative Lebens- und Gestaltungskräfte, nicht den früheren physikalischen Ätherbegriff des 19. Jahrhunderts.
Eine Analogie dieser Äther zu den fünf Vayu gelingt nur sehr bedingt, denn die phylogenetische und ontogenetische Entwicklung beruht auf relativ großen unterschiedlichen Voraussetzungen und würde den einzelnen Begriff unnötig nivellieren.
Samana Vayu und die Verdauungskräfte
Samana bezeichnet diejenige Energieform, die in der Verdauung lokalisiert wird.5) samāna vāyu wird in der Yogalehre mit ausgleichenden und assimilierenden Prozessen im Bereich des Bauches und der Verdauung in Verbindung gebracht. Traditionell wird es dem Nabelzentrum zugeordnet. Übersetzt heißt das Wort so viel wie zusammentreffen oder harmonisch ausgleichend verbinden. Es fördert das homogene Begegnungselement. Erforscht man dieses Sanskritwort auf phylogenetische Weise, dann liegt tatsächlich in dem Wort für homogenes Zusammentreffen eine energetische Bedeutung: Es zieht sich in der Verdauung der Körper zur Substanzerkraftung und zum Substanzaufbau mit seinen Enzymbewegungen und Proteasen zusammen. Er kontrahiert und substantiiert sich im Kräftewirken und dieser Vorgang geschieht auf immaterieller, das heißt allgemein gesprochen auf energetischer, konzentrierter Basis.
Der chemische Äther in der Anthroposophie
Am eindrücklichsten und nächsten beschreibt der sogenannte chemische Äther diese Kontraktionskraft, die im Intestinum ihre maximale Leistung edifiziert.6) Der sogenannte „chemische Äther“ beschreibt in der anthroposophischen Terminologie ordnende und verbindende Kräfte, die insbesondere mit Stoffwechsel- und Aufbauprozessen zusammenhängen. Alle Übungen, die eine Zusammenziehung im Becken beanspruchen, fördern diese Energie. Sie wirkt erfahrungsgemäß immunstärkend, wenn sie gut ausgeprägt ist.
Die Ausführung von Baddha Konasana
Eine der hervorragendsten Yogastellungen bildet hierfür Baddha Konasana, die Winkelstellung, die von der Sitzhaltung ausgehend in verschiedenen Graden bis in die vollständige Vorwärtsflexion getätigt werden kann. Die Bewegung mobilisiert sich ganz aus der Kontraktionskraft der unteren Körperregion, während der Körper nach oben freier, leichter in die Ausdehnung und Länge findet.
Eine Vorübung ist die Schmetterlingsstellung, die die Knie auf und ab wippt, bis sie in zunehmendem Maße ganz nach unten kommen. Für den Anfang des Übens ist diese Bewegung sehr empfehlenswert.
Bildfolge zu Baddha Konasana
Die Bildfolge zeigt eine bereits sehr fortgeschrittene Ausführung von baddha konasana. Für Anfänger kann sie in abgeschwächteren, weniger ausgedehnten Ausformungen stattfinden.



sondern aus einer inneren Kontraktions- und Zentrierungskraft
im Bauchraum
Baddha Konasana erschöpft sich nicht in einer bloßen Dehnung oder Beweglichkeit. Die Übung kann zu einer bewussten Zentrierung des Menschen beitragen, bei der sich innere Sammlung und freie Aufrichtung miteinander verbinden
Dieser Artikel beleuchtet folgende Fragestellungen:
Was bewirkt Baddha Konasana?
Baddha Konasana öffnet den Beckenraum, fördert die Aufrichtung der Wirbelsäule und unterstützt eine zentrierte Aktivität im Bauchbereich.
Ist die Winkelsitzhaltung gut für das Becken?
Die Winkelsitzhaltung kann die Beweglichkeit fördern und zu einer harmonischeren Spannungsverteilung im unteren Rücken beitragen.
Worin unterscheiden sich Prana- und Ätherkräfte?
Prana beschreibt in der Yogalehre Lebens- und Bewegungskräfte, während die Anthroposophie mit den Ätherkräften eher formative und aufbauende Lebensprozesse bezeichnet.
Welche Bedeutung hat Samana Vayu?
Samana Vayu steht im Yoga für eine ausgleichende und zentrierende Kraft, die vornehmlich im sogenannten 2. Zentrum, im Bauchraum angesiedelt ist.
Welche Wirkung hat Baddha Konasana auf die Verdauung?
Baddha Konasana kann den Bauch- und Verdauungsraum aktivieren und wird im Yoga mit einer harmonisierenden Wirkung auf die Verdauungskräfte verbunden.
Anmerkungen
| ⇑1 | baddha koṇāsana bedeutet wörtlich „gebundene Winkelhaltung“ und wird häufig auch als Schmetterlingshaltung bezeichnet. |
|---|---|
| ⇑2 | prāṇa bedeutet ursprünglich „Lebenskraft“, „Atem“ oder „belebendes Prinzip“. In den klassischen Yogaschriften bezeichnet der Begriff nicht lediglich physische Energie, sondern ein differenziertes Lebens- und Bewegungsprinzip. |
| ⇑3 | Die Yogatradition unterscheidet fünf Hauptformen des prāṇa: prāṇa, apāna, samāna, udāna und vyāna. Diese werden funktionell verschiedenen Bewegungs- und Organisationsprozessen des Organismus zugeordnet. |
| ⇑4 | Der Begriff „Äther“ wird hier im Sinne der anthroposophischen Terminologie Rudolf Steiners verwendet und meint formative Lebens- und Gestaltungskräfte, nicht den früheren physikalischen Ätherbegriff des 19. Jahrhunderts. |
| ⇑5 | samāna vāyu wird in der Yogalehre mit ausgleichenden und assimilierenden Prozessen im Bereich des Bauches und der Verdauung in Verbindung gebracht. Traditionell wird es dem Nabelzentrum zugeordnet. |
| ⇑6 | Der sogenannte „chemische Äther“ beschreibt in der anthroposophischen Terminologie ordnende und verbindende Kräfte, die insbesondere mit Stoffwechsel- und Aufbauprozessen zusammenhängen. |