Philosophie und Erkenntnis als essentielle Sterne für die Menschheit

Von Heinz Grill:

Die Technik fasziniert mit ihren Errungenschaften

Es existiert ein innerer Zusammenhang zwischen Mystik und Materialismus, der jedoch nicht auf den ersten Blick sichtbar sein kann, da in der Regel der typische orientalische oder auch okzidentale Mystiker tendenziell dem irdischen Leben entsagt und sich in seinem Streben auf die Gotterfahrung zurückzieht, während der Materialismus in größten Zügen die Erde erobert und sich technische Errungenschaften mit der Hoffnung auf größtmögliche Bequemlichkeit zu eigen macht. Beide aber schwelgen nur zu oft in ihren gewählten Vorlieben, die Mystiker im Extraterrestrischen und die Materialisten im Terrestrischen.

Der Mystiker zieht sich oft von der Welt zurück

Bezeichnenderweise bezieht die Theologie, dies sogar nach dem sehr rational eingestellten Bischof Hemmerle, den Standpunkt des Wahren aufgrund der tradierten Offenbarungen, während sie der Philosophie, dem erkenntnistheoretischen Erforschen der Wahrheit, einen durchaus wichtigen aber letzten Endes dennoch zweitrangigen Stand einräumt. Solange aber die Philosophie im Erkenntnisstreben nach den essentiellsten Fragen nicht den gebührenden Wert erhält und ein theologisch dogmatisches Allgemeinkonzept der Kirche den Bürger manipuliert, wird es Krieg und Unfrieden geben. Über die Jahrhunderte hinweg gelang es der Kirchenpolitik, den Menschen die Fähigkeit und den Wert des eigenständigen Erkenntnisstrebens im Sinne eines tatsächlich erfahrbaren und erlebbaren Gedankens abzusprechen.

Portrait des Philosophen Friedrich Hegel.
Die Denkleistungen großer Philosophen können einen wichtigen Beitrag zur Verbindung unter Menschen geben.

Die mystische Erfahrung, die von der Kirche zumindest am Rande geduldet ist und der Materialismus, der durch eifrigste ökonomische Expansionen mit Staatsverträgen und Gewerbeabsichten ebenfalls von kirchlicher Hand motiviert ist, würde seinen Ausgleich durch die mutige Bereitschaft zum Denken, schließlich zur Erfahrung des Denkens und zuletzt zur Erfahrung des Gedankens im Erkennen des Objektes oder allgemein des Seins finden. Der Gedanke selbst ist diejenige Instanz, die den Menschen zum geistigen Bürger befähigt und in der Philosophie könnte er seine höchste und souveräne gültige Expression erhalten. Die Philosophie hätte eine wichtige Aufgabe zur Verbindung der Menschen, zur Erhebung der Gemüter und schließlich zur Verhinderung weiterer materialistischer Degenerationen und mystischer esoterischer oder sogenannter spiritistischer Selbstbetörung. Sie könnte, wie ein klarer Sonnenschein, die emotionalen Stürme der Zeit besänftigen. Eine richtige philosophische Auseinandersetzung, getragen vom Individuum des Menschen, geschult, nach verschiedensten Zielen trachtend und nicht nur auf Alltagsbanalitäten gestützt, sondern auf höchste essentielle Fragen ausgerichtet, bringt Frieden und verhindert Krieg.

In diesem Sinne darf ein Zitat von dem Philosophen Dr. Dr. Joachim Kahl, der sich von der Theologie abgewendet hatte und die Notwendigkeit des vernunftbegabten Denkens betont, angeführt werden:

Woher rührt die chronische Misere der Theologen aller Zeiten, von Geheimniskrämerei und plumpem oder raffiniertem Schwindel leben zu müssen? Der Grund ist leicht zu erkennen. Statt sich ihrer eigenen Vernunft zu bedienen und die Wirklichkeit selbständig zu analysieren, stützen sie sich auf autoritative Tradition aus der Vergangenheit, Offenbarung genannt. Da diese Vergangenheit in irgendeinem Sinn als normativ gilt, kann sie meist nur mit Hilfe von «hermeneutischen» Tricks den Anforderungen der Gegenwart angepasst werden. So verspielen die Gottesgelehrten beides: die wirkliche Vergangenheit und die wirkliche Gegenwart.

(Quelle: Dr. Dr. Joachim Kahl, „Das Elend des Christentums“,Hamburg 1968,
zitiert aus www.christentum-hinterfragt.de)

 

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