Jahresausblick auf 2026 – Teil 5
Wo lebt heute Rudolf Steiner?

Portrait Rudolf Steiners
von Josefo

Diese nicht ganz einfache Fragestellung ist deshalb von besonderem Interesse, da es mehrere verschiedene große Bewegungen in der Anthroposophie und in anthroposophischen Kreisen gibt. Zunächst müsste die Annahme erfolgen, dass die Seele Rudolf Steiners in diesen verschiedenen Einrichtungen, die seinen Namen tragen, lebendig existiert. Wo aber lebt die Seele oder der Geist heute?

Natürlich existieren innerhalb und außerhalb von Einrichtungen sehr viele Auffassungen und Interpretationen von Rudolf Steiner, denn sein Werk ist über die Zeit hinweg ein gewisses Kulturerbe geworden.

Eine recht große, bunte, nicht nominierte Bewegung, die sich die Schriften von Rudolf Steiner materiell zunutze macht und daraus erweiterte methodische Ansätze formt, kann eventuell als eine sehr allgemeine Strömung ihre Bezeichnung erhalten. Sowohl sehr intellektuelle als auch überdurchschnittlich emotionale Naturelle gehen aus dieser Strömung hervor, die, wenn man sie vielleicht mit einem möglichst wertfreien Begriff bezeichnet, als die Nutzer und Benützer der von Rudolf Steiner geprägten Weltanschauung fungieren. Sie identifizieren sich meist mit dem Wort „Anthroposophie“. Ein Wahrheitsanspruch lässt sich in den Kreisen, in denen intellektuelle oder emotionale Identifikationen vorherrschen, nicht übersehen. Erfahrungen zeigen, dass der Dialog mit anderen Richtungen, beispielsweise wenn man vonseiten einer orientalischen Philosophie kommt, häufig abgewiesen wird. Gerade der materialistische Umgang im Sinne des reinen Nutzens der Gedanken und Worte von Rudolf Steiner führt für einen Außenstehenden zu dem Gefühl, dass er in seiner Position des Selbst noch nicht ausreichend würdig ist, um in den Dialog zu treten. Wirkliche Minderwertigkeitsgefühle können auftreten, wenn den intellektuellen Reden dieser Strömungen zugehört wird. So geschah es in den vergangenen Jahren nicht selten, dass Personen, die sich inniglich und tiefgründig mit den Schriften von Rudolf Steiner auseinandergesetzt hatten, aber dennoch keine richtigen Insider waren, gerade bei vielen Anthroposophen Werturteile empfingen, die ihnen glauben machen sollten, man könne Rudolf Steiner nur lesen, wenn man sich auch hierzu ausreichend ausgezeichnet habe. Eine bessere und eine schlechtere Klasse von Menschen entsteht durch dieses Weltbild.

Die Augen von Sri Aurobindo und
von Rudolf Steiner
Künstlerische Ausarbeitung von Anne-Michèle Hambye
vom 25.12.2025

Eine andere Erscheinung zeigt sich ebenfalls auf den vielseitigen Gebieten, die die Anthroposophie äußerlich zum Vorschein bringt. Es gibt Menschen, welche weniger die Wahrheiten der Schriften beanspruchen, sondern sich vielmehr um die Ausarbeitung der Erkenntnisse zur praktischen sozialen Integration bemühen. Sie nutzen die Aussagen nicht für einen persönlichen Glaubensanspruch, sondern für eine umfassende Beschäftigung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, dem Leben einen höheren Sinngehalt zu verleihen. In Heilmittelbetrieben, in der Landwirtschaft oder in der Pädagogik gibt es hierfür zahlreiche Beispiele. Aus der Sicht des Yoga ist diese Form der Anthroposophie eine sogenannte Karmaarbeit, eine Form des karmayoga, die bisherige Inhalte in ihrem Wahrheitsgehalt prüft und sie sodann in die Bearbeitung nimmt, um sie in eine Stufe von sozialer Integrierfähigkeit zu vermitteln.

Kontakte mit diesen Personen, die in einer lebendigen anthroposophischen Arbeit stehen, waren stets leicht und weniger von Überheblichkeit, sondern vielmehr von gegenseitiger Erfahrung geprägt. Der Wert des Arbeitens und Ausarbeitens brachte auf dem Gebiet der Anthroposophie tolerante Verhältnisse und erweiterte Erfahrungsformen. Der Wahrheitsanspruch zur Anthroposophie und an ihre Weltenposition erscheint geringer als beispielsweise bei sehr intellektualistischen oder emotionalen Kreisen.

Zusätzlich zu diesen beiden relativ deutlich erkennbaren Formen und Ausprägungen des Umgangs mit dem anthroposophischen Geistesgut Rudolf Steiners wird in der Zukunft eine dritte Form erwachen. Sie wird ganz besonders deshalb auf den Plan gerufen und drängt zur Notwendigkeit, da es sehr viele Angriffe gegen die Anthroposophie gibt, die weniger von außen kommen, sondern mehr aus ihren eigenen Reihen. Die Spaltungen durch diese Angriffe, die ganz besonders im Jahre 2025 im Höchstmaß stattfanden und weitergehen werden, bewirken in der Folge, dass sich die meisten anthroposophischen Einrichtungen neu definieren, formen und in mancherlei Hinsicht ihre individuelle Position finden müssen. Eine große Wandlung steht deshalb in der Anthroposophie bevor. Sie wird im Jahr 2026 mit vielen Spannungen offensichtlich.

Die Flammenform als ätherische Form, im Sportraum
in den Künstlertagen konstruiert.

Während im starken materialistischen Nutzprinzip die Anthroposophie eine weitere Enge erfährt und sich selbst ihre geistigen Möglichkeiten versperrt, Spiritualität nivelliert und aus dem Dialog wertvolle spirituelle Fundamente ausgrenzt, erwachen einige Einzelpersönlichkeiten mit einer spirituellen sowie fachlichen Kompetenz. Mit diesen Menschen steht das Geistesgut von Rudolf Steiner neu in der Welt auf. Es wird keinen Wahrheitsanspruch an Lehre, Institution oder Glauben haben. Von diesen Menschen wird eine große verbindende Pädagogik und erhaltende gesundheitsförderliche Kraft ausgehen.

Im Jahr 2026 werden deshalb Menschen in einigen Teilen der Welt erscheinen, die Anthroposophen im Kern ihres Lebens sind und sich doch in ganzer persönlicher Würde über alle Bekenntnisse äußerer Art hinausheben. Sie werden den spirituellen Teil der Anthroposophie repräsentieren und naturgemäß bei vielen Einrichtungen, die sich anthroposophisch nennen, keine Akzeptanz finden. Die Seele dieser Menschen ist zutiefst mit dem Lebenswerk Rudolf Steiners verbunden.

Wie erschafft man Ätherkräfte aus den Texten von Rudolf Steiner?

Einige Sätze von Rudolf Steiner zur bewussten Betrachtung und Wirkung werden vorgelesen.

Der Umgang mit den Texten von Rudolf Steiner bedarf der intensiven, konzentrations- und bewusstseinsbildenden Meditationsarbeit, damit die im Wort enthaltenen Ätherkräfte neu zur Belebung kommen. Diese Arbeit findet beispielsweise in der Hochschule in Naone statt und nimmt außerordentlich großen Erfolg ein.

Nach dem intensiven Arbeiten mit Texten können lichte ätherische Bewegungen im Raum und im interaktiven Austausch unter Menschen zur Wahrnehmung kommen. Obwohl die Worte Rudolf Steiners 100 Jahre zurückliegen, können sie durch geeignete Konzentrations- und Bewusstseinsarbeit neu und bis zur Initiationskraft zum Erwachen gebracht werden. Die Arbeit mit Texten ist deshalb nicht nur eine Angelegenheit eines Lesekreises, sie ist vielmehr eine geschulte, bewusstseinsbildende Tätigkeit, die unter fachlicher Anleitung zu sehr guten Erfolgen führt.

Wo lebt die Seele Rudolf Steiners heute?

Weihnachtsabend über Lundo
Foto von Alexandra Ludorf

Aus dieser Arbeit heraus wurde in gemeinsamer Form über Weihnachten 2025 die Fragestellung entwickelt, wo Rudolf Steiner heute lebt. Über eine längere Phase der Konzentrationsbildung und unter spezifischer professioneller Anleitung konnte diese Frage eine Antwort erhalten.

Die Seele Rudolf Steiners lebt nicht in Einrichtungen, die seinen Namen tragen, sie lebt nicht in bestimmten Lesekreisen oder Wortverfechtern der Anthroposophie, sie lebt des Weiteren als Seele schon seit langem nicht mehr im Kosmos, sondern ist in eine rein geistige Dimension, in eine Wirklichkeit, die das indische Geistleben mit brahman bezeichnet, eingegangen.

Genau genommen spendet aus der geistigen Welt die Seele Rudolf Steiners eine sehr tiefgehende gesundheitliche Stärkung. Sie fördert ebenfalls die kreative Inspirationskraft für Künste, und dies besonders für Bewegungskunst, einen Bereich, den Rudolf Steiner zu Lebzeiten gar nicht entfaltet hatte.

Der Geist in seiner spezifischen Form nimmt verschiedene Wohnstätten in der allgemeinen höheren oder höchsten Wirklichkeit, die man als brahman bezeichnet, ein. Jene Kräfte, die durch das Lebenswerk für die geistige Welt entwickelt wurden, verstärken diese Welt brahman in spezifischer Weise. Gleichzeitig lebt diese höchste rein geistig-gedankliche Wirklichkeit ebenfalls in der Tiefe des menschlichen Leibes. In welchen Organen oder physiologischen Bezirken des Leiblichen verbirgt diese Seele ihre gesundheitliche Wirkung? Wahrlich ist sie Geist, und doch lässt sie den Stoff durch ihre vorzügliche Steuerungsfunktion erkraften.

Der Sternenhimmel über Lundo wie er sich am 30.12.2025
der Studiengruppe zur Astronomie zeigte.
Foto von Alexandra Ludorf

Jene Dimension, die Rudolf Steiner bis heute hinterlassen hat, verbirgt sich in den vielen Entfaltungs- und Steuerungsvorgängen, die in den inneren Organen und vor allem aus den Zellen motiviert werden. Eine große Kraft erwacht durch die Existenz dieser Seele, gleichsam als Feuer- und Lichtkraft, die die individuelle Natur des Menschen zum Erwachen bringt und das Protein zur genau bemessenen Organisation zu seiner individuellen Disposition modelliert.

Die Seele von Rudolf Steiner ist deshalb Teil des Menschseins in aller Welt geworden. Sie lebt im Inneren und fördert die Proteinsynthese, sodass individuelle Naturen durch den Geist und durch ihre Auseinandersetzung mit dem Dasein lebendiger und gesünder das Leben betreten. Proteine sind die individuellen Bausteine des Körpers, und jede menschliche Natur muss diese in ständigen, vielen Verwandlungs- und Entwicklungsprozessen hervorbringen. Rudolf Steiner ist heute jene Kraft, die das Feuer der Proteinsynthese maßgeblich verstärkt.

Die Seele wird aus diesen Gründen nicht wiedergeboren werden. Sie kann aber in manchen Anteilen ätherisch und astralisch, wie in einem feinen lichten Schimmer, wiederkehren, wenn ihr Lebenswerk gut erfasst und ausgearbeitet ist. Der Einzelne, der tiefste Erkenntnisse zu Rudolf Steiner entwickelt, wird immer aus dieser Quelle schöpfen und lebendige individuelle Formen dieses Geistlebens hervorbringen.

Einige wenige Menschen werden in der Welt für das Jahr 2026 sensibel in Erscheinung treten und deshalb nicht nur ein äußeres, sondern ein inneres Licht der Anthroposophie verteilen.

Die Seele von Ramon Brüll

Porträt Ramon Brüll
von Anne-Michèle Hambye

In dem zu Ende gehenden Jahr ist Ramon Brüll, ein Verleger, der in der Anthroposophie viel tätig war, verstorben. Leider konnte er den Weg zur spirituellen Schulung noch nicht persönlich und aktiv betreten. Er wusste von der Möglichkeit, aber hielt sich in natürlichem Maße durch die Schwelle vor dem Unbekannten zurück.

Sein Lebensziel war es, Bücher in Tagungen und mit verschiedenen Darlegungen dem Menschen nahezubringen. Nach seinem Abscheiden wird sich dieses Ziel verstärken und seine Seele ruft nach der Bewusstheit, dass nicht nur äußerlich viel geschrieben wird, sondern dass Menschen Begegnungen mit Spiritualität erhalten.

Eine Antwort auf „Jahresausblick auf 2026 – Teil 5
Wo lebt heute Rudolf Steiner?“

  1. guten Tag Herr Grill. Vielen Dank für die stets hoch interessanten Beiträge. Bei diesem Beitrag entsteht bei mir die immer wiederkehrende Frage der nächsten Inkarnation von Rudolf Steiner. So wie ich Sie verstehe, gibt es keine mehr(?). Habe ich das richtig verstanden? Sie sprechen von der allgegenwärtigen Seele, aber meine Wahrnehmung sagt mir – Irrtum möglich – dass er noch viele male irdisch tätig sein wird. Der Wesensstrom Anthroposophia kann doch nicht nur im geistigen sein oder?

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